Learn German Free FS5 - Straussenwirtschaft
04/06/08 01:12
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Hey hey liebe Pukka German FreeStyle Zuhörer! Ich hoffe, Euch geht’s gut. Also mir geht’s hervorragend!
Auch in meiner heutigen FreeStyle Sendung würde ich gerne probieren, ein bisschen langsamer zu sprechen. Ich hoffe, dann könnt Ihr besser verstehen, was ich Euch sagen möchte.
Gerade bin ich zurückgekommen von einer Straußenwirtschaft und mein Bauch ist kugelrund. Vollgefüllt mit leckerem Essen, yam, yam.
Wahrscheinlich habt ihr den Ausdruck Straußenwirtschaft noch nie gehört, oder? Es handelt sich hier um einen Bauernhof, also einen landwirtschaftlichen Betrieb. Dort kann man zweimal im Jahr ungefähr essen.
Normalerweise darf auf einem Bauernhof nicht gegessen werden oder die Produkte dürfen nicht zum Essen und zum Trinken angeboten werden. Dafür braucht man nämlich eine spezielle Genehmigung oder eine sogenannte Gaststättenkonzession.
Um das Jahr 800 hat Kaiser Karl der Große allerdings eine kleine Ausnahme gemacht. Er erlaubte den Weinbauern einfach, einen kleinen Teil ihres selbst produzierten Weines für kurze Zeit selbst auszuschenken, also selbst zu verkaufen.
Immer wenn diese Zeit kam, in der dies erlaubt war, stellten die Bauern als Symbol einen Besen vor die Tür. Und genau deshalb heißt die Wirtschaft oder das Lokal im schwäbischen Sprachraum „Besenwirtschaft“ und hier im alemannischen Raum hat sich Strausswirtschaft oder Straussenwirtschaft eingebürgert. Weil so hier der Reisigbesen heißt.
Eine richtige Straussenwirtschaft ist also ein Lokal direkt an einen Bauernhof angegliedert. Maximal darf es, glaube ich, 40 Sitzplätze haben. Die Bauern dürfen hier ihren eigenen Wein und einfach zubereitete Speisen servieren. Aber alles muss aus überwiegend eigener Herstellung sein.
Einer meiner Freunde hat vorhin ganz schön komisch geschaut, als ihm die Bedienung erklärt hat, dass sie kein Bier ausschenken, sondern nur Wein und eigenen Saft. Aber leckeren Saft. Traubensaft, Johannisbeersaft, Apfelsaft. Dies ist einfach so, weil sie eben kein eigenes Bier herstellen.
Aber gerade das, also die kleine Auswahl und die typisch badischen Gerichte, verleihen einer Strausse oder einer Besenwirtschaft den ganz besonderen Reiz. Es ist einfach so lecker dort.
Trio: Brägele, Bibiliskäs und Wurstsalat
Zwiebelkuchen
Typisch badisch ist zum Beispiel der Bibiliskäs. Ich weiß es hört sich lustig an. Dies ist ein quarkähnlicher Frischkäse, der sehr fein mit frischem Schnittlauch zubereitet wird. Dazu bekommt man oft Brägele. Das sind Bratkartoffeln, also angebratene Kartoffeln, die ganz dünn geschnitten und kross mit Speck und Zwiebeln angebraten sind. Aber auch z um Beispiel Zwiebelwaie ist ein typisches Gericht. Einfach eine andere Bezeichnung für Zwiebelkuchen. Hört sich vielleicht komisch an – ein Kuchen aus Zwiebeln- schmeckt aber köstlich. Solltet ihr mal probieren.
Oh, und nicht zu vergessen, den haben wir heute nämlich auch gegessen, ist der Flammenkuchen oder auch Flammkuchen genannt. Eigentlich ist er eine Spezialität aus dem Elsass. Manchmal wird er auch als viereckige Pizza beschrieben. Er ist aber sehr viel dünner und hat einen Belag aus Schmand, Speck und Zwiebeln. Er schmeckt vor allem super, wenn er sehr dünn ist und direkt aus dem Holzofen kommt.
Gschwelldi sind normale Pellkartoffeln und Kratzete eine Art Pfannkuchen. Beides wird im Moment traditionellerweise mit Spargel angeboten. Dazu gibt es dann eine leckere Buttersauce oder eine Sauce Hollondaise.
Eine Straussenwirtschaft darf maximal 16 Wochen im Jahr geöffnet sein. Meist wird dies auf 2 Perioden verteilt. Eine findet im Frühjahr statt, wie jetzt zur Spargelzeit. Und eine im Spätsommer wenn es dann neuen Wein gibt.
Bei unserem schönem Wetter zur Zeit, sieht man deshalb ganz viele Leute, die sich aufs Fahrrad schwingen und raus aufs Land zu einem dieser Bauernhöfe, zu einer dieser Straussen fahren, um dort zu Mittag oder aber zu Abend zu essen. So wie wir heute.
So und jetzt werde ich mich erst einmal eine Weile hinlegen und mein Essen verdauen. Zu was anderem bin ich sowieso gerade nicht mehr in der Lage. Glücklicherweise habe ich gerade gelesen, im Internet, dass Spargel sehr gesund ist und zu 93 Prozent aus Wasser besteht - also nicht dick macht. Na dann fühle ich mich trotz dickem Bauch gleich mal viel besser!
Also ihr, ich muss jetzt wirklich ein Nickerchen machen.
Gute Nacht und bis zum nächsten Mal, ciao.
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